Der Cityjet, der den ÖBB-Nahverkehr verändert hat
Mit der Baureihe 4746 begann bei den ÖBB eine neue Generation des Nahverkehrs. Der dreiteilige Elektrotriebzug basiert auf der Plattform Desiro MainLine, kurz Desiro ML, von Siemens Mobility und ist seit 2015 unter der Marke Cityjet im Einsatz.
Die Reihe 4746 wurde besonders für S-Bahn-Linien und stark frequentierte Regionalverbindungen entwickelt. Im Gegensatz zur verwandten Regionalverkehrsbaureihe 4744 besitzt sie sechs Einstiegsbereiche auf jeder Zugseite. Dadurch können Fahrgäste bei kurzen Aufenthalten schneller ein- und aussteigen. Die Kombination aus kräftiger Beschleunigung, einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und großzügigen Einstiegsbereichen macht den Zug sowohl für dichte S-Bahn-Takte als auch für längere Regionalverbindungen geeignet. Inzwischen werden speziell ausgestattete Garnituren sogar im inneralpinen Interregio-Verkehr eingesetzt.

Entwicklung und Beschaffung
Die ÖBB bestellten ihre Desiro-ML-Flotte in mehreren Lieferlosen. Neben der S-Bahn-Ausführung der Reihe 4746 entstand die Regionalverkehrsvariante 4744. Später kam mit der Reihe 4748 eine vierteilige und rund 100 Meter lange Ausführung hinzu. Die Wagenkästen und wesentliche Komponenten werden von Siemens Mobility geliefert. Die Endmontage und Inbetriebsetzung der österreichischen Fahrzeuge erfolgt gemeinsam mit ÖBB Train Tech in Wien-Jedlersdorf. Dadurch findet ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung und technischen Fertigstellung direkt in Österreich statt.
Im April 2024 bestellten die ÖBB weitere 21 dreiteilige Desiro ML für die Ostregion. Die neuen Garnituren werden im Laufe des Jahres 2026 ausgeliefert und sind unter anderem für die Wiener S-Bahn-Stammstrecke sowie die anschließenden Außenäste in Niederösterreich vorgesehen. Mit dieser Bestellung umfasst das gesamte Desiro-ML-Programm der ÖBB 294 bestellte Garnituren. Die Baureihe 4746 reicht nach Abschluss der jüngsten Lieferserie bis zur Fahrzeugnummer 178.
Technik
Die Baureihe 4746 besteht aus zwei angetriebenen Endwagen und einem nicht angetriebenen Mittelwagen. Beide Endwagen besitzen jeweils zwei angetriebene Drehgestelle.
Daraus ergibt sich die Achsfolge: Bo’Bo’+2’2’+Bo’Bo’
Die elektrische Antriebsleistung beträgt bis zu 2.600 kW. Mit einer Anfahrbeschleunigung von bis zu 1,1 Metern pro Sekunde im Quadrat erreicht der Cityjet rasch seine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Das ist besonders auf Strecken mit kurzen Haltestellenabständen wichtig. D
ie Fahrzeuge können unter den beiden Wechselstromsystemen 15 kV mit 16,7 Hz und 25 kV mit 50 Hz betrieben werden. Dadurch sind neben österreichischen Strecken auch grenzüberschreitende Einsätze auf entsprechend ausgerüsteten Netzen möglich.
Mehrere Garnituren können über automatische Kupplungen gemeinsam eingesetzt werden. So lässt sich die Kapazität abhängig von Strecke, Tageszeit und erwartetem Fahrgastaufkommen anpassen. Die elektrische Bremse speist beim Verzögern einen Teil der Energie in das Stromnetz zurück.
Einsatz bei den ÖBB
Die Baureihe 4746 ist in weiten Teilen Österreichs unterwegs.
Zu ihren Einsatzgebieten gehören S-Bahn-, Regionalzug-, Regionalexpress- und Cityjet-Xpress-Verbindungen. Ein besonders großes Einsatzgebiet liegt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Weitere Garnituren verkehren unter anderem in der Steiermark, in Kärnten, Oberösterreich und Salzburg.
Die jüngste Lieferserie ist für die Ostregion vorgesehen. Geplant sind Einsätze auf der Wiener S-Bahn-Stammstrecke zwischen Wien Meidling und Wien Floridsdorf sowie auf den anschließenden Außenästen in Niederösterreich. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 kommen speziell ausgestattete Fahrzeuge außerdem im inneralpinen Interregio-Netz zum Einsatz. Diese verbinden unter anderem Graz, Klagenfurt, Linz, Salzburg, Wörgl und Innsbruck miteinander.